Wasserwelten – AUF ZU NEUEN UFERN

Weltweit macht wirtschaftlicher Strukturwandel Planungen notwendig. Eine neue Hinwendung zum Wasser mit der Rückgewinnung von Ufern und der neuen Nutzung von Wasserbereichen auch als von Grün dominierten Erholungsraum gewinnt zunehmend an Bedeutung. Welche Möglichkeiten in Ufergestaltungen liegen, kann man unter anderem in Barcelona, Bilbao, Manchester oder Toronto erleben. Aber auch in Österreich sind in den letzten Jahren zahlreiche Projekte umgesetzt worden, die das Wasser in den Mittelpunkt ihres Interesses gestellt haben und neue Räume für Stadtbewohner und Erholungssuchende erschlossen haben.

 Heute herrscht oft ein Nebeneinander von Häfen und Kanälen, die ihren wirtschaftlichen Zenit bereits überschritten haben und zunehmend als Industriebrachen und Siedlungsräumen in schwierigen Lagen verkommen. Gerade solche Quartiere hat die Stadtplanung seit einigen Jahren neu für sich entdeckt, bieten sich hier doch Potentiale ungeahnter Dimensionen für die Stadtentwicklung. Entlang der Gewässer entstehen neue Entwicklungsbänder mit großartigen ökologischen, städtebaulichen und wirtschaftlichen Dimensionen, die eine Trendumkehr vom Stadtverfall hin zum qualitativ hochwertigen Stadtviertel mit hoher Lebensqualität schaffen. Neue Gestaltungen machen es also möglich: Nah am Wasser gebaut, geht von Wasser ein ganz besonderer Erholungswert aus. Selbst im Herzen von Ballungszentren wie Wien oder Graz öffnet sich so unerwartet ein besonderer Erholungsraum, der durchzogen von neuen Grün- und Wegeverbindungen rasch gerne angenommen wird.

Der Aufenthalt am Wasser

 

Abenteuerspielplätze der besonderen Art: Ufer

hat für die Menschen von jeher eine besondere Anziehungskraft. Statt sich von ihm abzuwenden, richten sich Erlebnisse und Erwartungen auf das Wasser aus. Die Menschen erleben den Lebensraum Ufer, Kinder können mit dem Wasser spielen. Eine durchgehende Landschaft, die Erholung, Arbeit, Wohnen und Tourismus am Wasser in attraktiver Weise vereint: wenn die Umsetzung dieser Ziele gelingt, ist das Planungsziel erreicht. Dass sich das Ergebnis jedoch sehen lassen kann, ist nicht immer selbstverständlich. Vor dem Hintergrund natürlicher Gegebenheiten etwa der schadfreien Hochwasserabfuhr und gesteigerter Sicherheitsstandards in Gewässernähe müssen Nutzungsansprüche, Entwicklungsperspektiven und hohe Qualitätsstandards und -ansprüche im Gewässerumfeld besonders sensibel abgestimmt werden.

„Restriktionen“

Prinzipiell muss jede Lösung einer Ufergestaltung ihre Tauglichkeit an der Realität messen. Eine Umgestaltung muss mit folgenden Herausforderungen umgehen können:

  • Topografie
  • gerade in Stadträumen mit dem „verfügbaren“ Raum für das Gewässer, für neue Ufer, neue Flussbiotope, neue Uferwege, für neue Hochwasserretention
  • icherheit für die Benutzer
  • gesicherte Wasserqualität
  • Die nachhaltige ökologische Funktionstüchtigkeit des Gewässers und seiner Ufer in der Funktion als Lebensraum zahlreicher Pflanzen und Tiere

Lebenselement Wasser

 Den Blick auf das Wasser gerichtet: seine Qualität, seine Fließgeschwindigkeit, sein Bett, seine Oberflächen, seine Gestalt, seine Dynamik, seine Geschwindigkeit oder Langsamkeit, seine Mengen und seine Anmutung all dies gilt es in Planung und Ausführung zu berücksichtigen. Projektorientiert kann alles ausgeschöpft werden, was an funktionalen Lösungen und kreativen Ideen zu finden ist. Mit Wasser zu spielen, seine Dimensionen - stehend, fließend, fallend – auszureizen, ganz bewusst kann das Lebenselement Wasser als Gestaltungsmittel eingesetzt werden. Das ist keine einfache, aber eine lohnenswerte Herausforderung. So intensiv und kreativ, wie man sich über Jahrhunderte den Kopf zerbrach, um Abwasser zu reinigen, genauso kreativ und intensiv gilt es, sich jetzt dem Wasser als lebendiges Gestaltungsmittel zu widmen und es nicht nur schnell durch die Landschaft zu jagen sondern ihm den entsprechenden Raum zukommen zu lassen, sodass es als lebendiges Element nicht zuletzt auch gestalterisch wieder in die Landschaft integriert wird. Als Ort des zentralen Kontakts der Menschen, darauf richten sich die meisten Erwartungen an Ufergestaltungen und darauf, dass Land und Wasser in einen spannenden Dialog treten. Dabei ist eine weite Bandbreite von intensiver bis zur extensiven Gestaltung in der Ausführung möglich, wobei Bau- und Unterhaltungskosten zu den wichtigen Abwägungspunkten einer Gestaltungsentscheidung zählen.

Gestalterische Aspekte

 Ihre Umsetzung fordert den Landschaftsbauer ganz besonders heraus: Gerade im Wasserbau herrscht eine Mannigfaltigkeit an Gestaltungsideen, die sich, wollen sie nachhaltig bestehen, am Vorbild der Natur orientieren. Aber auch städtische Lösungen, wie etwa hart verbaute Uferpromenaden oder –kais bis zu kunstvollen Holzstegkonstruktionen beleben das Gewässerumfeld neu und schaffen neue attraktive Räume. Steile Uferböschungen werden durch Abflachung begehbar gestaltet. Auch durch Aufenthaltsräume mit Sitzgelegenheiten ist ein gesteigertes Wassererlebnis möglich. Plattformen, Sitznischen oder Holzdecks sind dabei unabdingbar und stellen neue mit Bedacht gewählte Sitzplätze inmitten der Natur zur Verfügung. Durch die spezifischen Anforderungen der Benutzer und des Ortes, der Reduktion auf das Wesentliche, den Einbezug von ökologischen Aspekten und die Angemessenheit der Mittel entstehen so immer wieder neue zeitgemäße Lösungen. Neben dem Einsatz ingenieurbiologischer Maßnahmen, wie etwa dem Einbringen von Weidensteckhölzern, Flechtzäunen, Gabionen erzeugen etwa Buhnenbauwerke und künstlich geschüttete Inseln und Schotterbänke eine neue Gewässerdynamik, die das Naturerlebnis „Wildnis“ neu definieren. Gerade in Großstadtnähe wohnt dem neu erschlossenen Gewässer ein besonders emotionaler Wert inne und bietet nicht zuletzt auch wertvolle natürliche Lebensräume für die wassertypischen Pflanzen- und Tierwelt.

Text: Redaktion Fotos: Benes